Wir hatten die große Ehre ein Interview mit Marios Gavrilis führen zu dürfen.
Natürlich kennt ihr ihn Alle als die deutsche Stimme von Katakuri.
Wir bedanken uns hiermit noch einmal bei Marios für das absolut nette Interview und die Zeit.
Für eine einfachere Übersicht kürzen wir die Namen folgendermaßen ab:
Marios Gavrilis = MG
One Piece News Germany = OPNG
Wir wünschen euch viel Spaß beim Lesen!
OPNG:
Hallo Marios und vielen Dank für die Möglichkeit dieses Interview führen zu dürfen.
Als Erstes hätten wir wohl eine sehr häufig gestellte Frage an dich.
War der Beruf als Synchronsprecher schon immer dein Traumberuf?
MG:
Hallo, tatsächlich war mein Traumberuf damals ein Anderer. Ganz klassisch wollte ich Pilot werden. In meiner Teenager-Zeit bin ich dann aber auf die Musik gestoßen, auf Punk Rock und dadurch wollte ich dann Rockstar werden und eine Band gründen. Somit war der Traumberuf Pilot abgelöst.
In den letzten Jahren meiner Schullaufbahn hatte sich dann durch die Theater AG herauskristallisiert, dass auch Schauspiel etwas ist, was mich interessiert.
Doch so richtig klar wurde es mir dann erst nach dem Abitur. Nach dem Abitur ging ich noch ein halbes Jahr nach Griechenland für meinen Wehrdienst, da ich zu diesem Zeitpunkt nur die griechische Staatsbürgerschaft hatte.
Als ich dann zurück kam, dachte ich über die Musik nach und sagte mir: „Hm, meine Notenkentnisse reichen wahrscheinlich nicht für ein Musikstudium aus.“, und ich wollte ja auch nicht Musik studieren, ich wollte Rockstar werden! Also dachte ich mir, das kann man ja auch nebenher machen. Also mache ich etwas Verwandtes: Schauspiel!
Ich war schon immer ein Entertainer, gerne auch eine Rampensau, das hatte ich schon immer im Blut gehabt. Also habe ich mich dann an Schauspielschulen beworben und bin dann nach Frankfurt gegangen. Synchronsprechen kam erst viel später dazu. Nach meinem Studium in Frankfurt zog ich dann nach Hamburg und spielte dort weiter Theater. Dort bin ich dann auch zum Synchronsprechen gekommen.
Es gibt viele Genres innerhalb des Sprecher-Berufes, klassische Voice Over wie bei Werbung, Gaming und eben Synchron wie bei Filmen etc. Auch in Frankfurt gab es schon Vertonungen für Gaming, aber in Hamburg hatte ich dann mit Realfilm angefangen. Ich hatte ja schon vorher durch die Musik gemerkt, dass es mir liegt mit meiner Stimme zu arbeiten. Deshalb konnte ich dann innerhalb des Synchronsprechens recht schnell Fuß fassen. Danach habe ich meine Aufmerksamkeit darauf gerichtet und bin nach Berlin gezogen. Das absolute Zentrum des Synchronsprechens.
OPNG :
Das klingt alles sehr spannend! Damit hast du ja schon fast unsere zweite Frage beantwortet.
Wie bist du zum Synchronsprechen gekommen? Gibt es da noch etwas Besonderes für dich?
MG:
Tatsächlich gab es da einen Auslöser für! Ich wiederhole auch immer gerne das Thema: Wer zum Synchronsprechen möchte, sollte vorher auch im Schauspiel was gemacht haben oder gelernt haben. Denn Synchron = Schauspiel. Man sollte es immer über den m.M.n. richtigen Weg machen. Auch wenn natürlich jeder selbst darüber entscheiden sollte, wie er es angehen möchte. Ich hatte auch Vocal Training bzw. Sprecherziehung auf der Schauspielschule, unter anderem bei meiner Dozentin Ellen Schulz. Eine sehr bekannte Stimme, einige kennen sie bestimmt noch als die Stimme der Citroen Werbung. Ich kann mich da noch sehr gut dran erinnern. Erstes Semester, erste Stunde bei Ihr und Sie merkte schon das meine Stimme geeignet für eben diesen Beruf ist. Auf ihre Empfehlung bin ich dann zu Studios gegangen und hatte mich dort beworben. Auch beim HR Rundfunk, welcher eine Kooperation mit meiner Schule hatte. Synchron kam dann erst in Hamburg. Dort hatte ich dann auch ein Treffen mit meiner Schauspiel- Agentur und bekam dort von einer Kollegin, die in diesem Bereich tätig war, die Karte eines Aufnahmeleiters in Hamburg. Ich hatte mich dann dort auch direkt gemeldet. Was natürlich ein großer Vorteil war ist meine Schauspielausbildung. Synchronstudios bevorzugen Leute mit einer Schauspielausbildung.
OPNG:
Das ist ein sehr interessanter Werdegang. Du scheinst ja auch für alles eine Passion entwickelt zu haben. Wenn du dich aber entscheiden müsstest, welchen Beruf würdest du lieber ausleben? Schauspieler oder Synchronsprecher ?
MG:
Ich würde mich da gar nicht entscheiden wollen! Und hoffe auch das ich das nie muss. Denn am Liebsten würde ich gerne auf allen 3 Bühnen tanzen. Schauspiel, Theater und Synchron. Man muss eigentlich auch nichts ausschließen müssen, da alles Teil des Berufs des Schauspielers ist. Angenommen ich würde aber, theoretischer Weise, vor die Entscheidung gestellt werden, Friss oder Stirb, dann würde ich mich eher für den Beruf vor der Kamera entscheiden. Ich möchte Figuren spielen und verkörpern, ich möchte auch gesehen, nicht nur gehört werden. Aber ich bin sehr froh, dass diese Frage nicht zur Debatte steht.
OPNG:
Auch wenn sich diese Frage fast erübrigt, da man es eh schon heraushört. Liebst du deinen Job ?
MG:
I fucking love my Job! Das kann ich gar nicht anders sagen. Ohne zu esoterisch klingen zu wollen, aber ich mache genau das, wofür ich auf der Welt bin. Ich verwirkliche mich Selbst und es gibt mir so viel, wenn die Leute auch merken und spüren das ich da mein Herzblut reinstecke. Ich lebe für den Beruf. In diesem Leben könnte ich mir auch keinen anderen Beruf mehr vorstellen. Im nächsten Leben dann aber gern Pilot haha.
OPNG:
Man merkt auch in diesem Gespräch wie viel dir das Spaß macht und wie sehr du dahinter stehst. Das ist wirklich ganz toll. Zu One Piece: Warst du denn vorher ein Fan oder hast dich mit dem One Piece Universum beschäftigt?
MG:
Ich hatte tatsächlich keinen Kontakt dazu. Ich kannte um ehrlich zu sein nicht mal den Anime. Da war ich wirklich so ein kleiner Banause. Es waren ja schon viele Anime draußen in denen ich mitgewirkt hatte, wie Attack on Titan. Zu dem Zeitpunkt hatte ich auch schon die große Sprechrolle in Steins Gate, einem phantastischen Anime. Selbst schaue ich leider nicht so viel Anime, was nichts mit dem Genre zu tun hat, sondern eher mit meiner fehlenden Zeit. One Piece gerade hat ja so viele Folgen, da fehlt mir teilweise echt die Zeit für, leider. Aber dann kam die Anfrage von Rescue Film, die waren sehr beharrlich mir die Rolle zu geben. Und ich wollte das dann gerne machen. Dann bin ich dafür nach München gefahren und wir haben innerhalb von 2 Tagen alles aufgenommen. Das waren dann teilweise 8-10 Stunden Schichten, die wir dort gearbeitet haben. Aber dann hatten wir das Ding im Kasten. Es war ne richtig geile Arbeit. Als ich im Studio angekommen bin war auch Daniel aus der Regie vor Ort, die Stimme von Ruffy und Marie, die Stimme meiner Schwester. Die haben mir dann erstmal erklärt was Katakuri für ein cooler Charakter ist. Daniel meinte, Katakuri ist ein absoluter Ehrenmann, welcher sich selbst verletzt um nicht im Vorteil zu sein. Als dann die ersten Szenen liefen dachte ich mir: „ Da hab ich Bock drauf! Was für ein epischer Charakter!“. Ich nehme jede Rolle ernst, aber bei so einer Rolle wie Katakuri, Endstufe Endboss, da gehe ich dann komplett drin auf. Ich wusste tatsächlich auch nicht wie krass One Piece und insbesondere Katakuri gehypt wird. Ich war richtig geflasht als ich das Feedback dazu auf meinen Social Media Accounts erfahren habe.Die Community ist so groß und es war ein riesiges Geschenk, dass ich diese Rolle bekommen habe. Ich hatte mir dann auch die erste Szene von Katakuri im TV angeschaut und war selbst total geflasht von der Arbeit des Teams und wie das aufgenommen wurde. Ich wusste ja, dass wir ganz gute Arbeit geleistet hatten, aber das hat mich doch richtig abgeholt.
OPNG:
Das ist ja auch ein tolles Erlebnis wenn man selbst so geflasht ist! Also gehen wir davon aus, dass du dich auch über weitere Auftritte als Katakuri freuen würdest?
MG:
Ist das überhaupt eine Frage? Absolut! Ich wäre sofort am Start. Einmal Katakuri immer Katakuri. Er ist ein Ehrenmann und die Fights mit Ruffy sind einfach nur episch und legendär. Ich kann schon verstehen warum Katakuri und der Anime so gehypt werden.
OPNG:
Du postest ja auch häufig Videos in welchen du die Stimmen deiner Charaktere benutzt. Was macht dir daran besonders Spaß und wie kamst du auf diese Ideen?
MG:
Ich bin einfach ein Entertainer von Natur aus und das hatte mich auch damals auf Social Media mit Denver aus Haus des Geldes bekannt gemacht. Dann kamen auch noch die Anime Stimmen dazu und gemerkt das sowas super gut ankommt in der Community. Auch ein Grund warum ich damit angefangen habe solche Behind the Scenes Aufnahmen zu machen. Oder auch so Sachen wie Katakuri bei einer Donut Bestellung. Das sind teilweise solche Ideen die mir einfach kommen. Manche schreibe ich mir auch auf und dann mach ich die. Das mit Katakuri ging ja auf einmal viral. Da dachte ich mir echt, ihr seid doch verrückt.
OPNG:
Das scheinen ja echt immer tolle Erlebnisse zu sein. Du hattest ja schon gesagt, dass du dich in die Rollen immer reinversetzt. Gibt es etwas an Katakuri was dich besonders begeistert hat?
MG:
Wir sind halt beide richtige Badass Motherfucker, haha ! Das musste ich jetzt einfach sagen. Ich glaube, dass ich bei weitem nicht so ein Badass bin wie Katakuri, er ist wirklich Badass. Und das kann ich dann durch ihn ausleben. Wir Schauspieler verkörpern ja die Rollen und in jeder Rolle steckt auch ein Teil von mir drin. Dieses brachiale, brutale aber auch dieses Weiche was Katakuri hat, grad in der Szene wo seine Schwester zu ihm kam und sich um ihn kümmert. Das sind halt echt tolle Szenen. I love it, da geht es bestimmt auch vielen anderen Menschen so. Egal bei welcher Rolle, ob Reiner, Dio oder auch Batman im neuen Batman Game. Auch in mir schlummern diese Rollen. Ja, selbst ein Batman, irgendwo ganz tief versteckt in mir haha. Das ist dann manchmal so, als hätte man eine multiple Persönlichkeit. Ich liebe es, all diese Charakter zu sprechen – und eben auch zu fühlen. Ich, die Konsumenten, die Fans, merken sofort ob der Sprecher es fühlt oder nicht. Grad die Anime-Fans sind da die härtesten Kritiker. Japanisch als Sprache funktioniert anders als Deutsch, man kann nicht alles eins zu eins übersetzen und übertragen. Aber das, was sich übertragen lässt und was wir Synchronsprecher bringen müssen, ist das Energielevel der Japaner. Das müssen wir erreichen. Energie ist eine universelle Währung, die nichts mit kultureller und sprachlicher Prägung zu tun hat.
OPNG:
Und das merkt man auf alle Fälle! Hast du denn noch einen Charakter neben Katakuri, welcher dir gut gefällt?
MG:
Also ich muss zugeben das Katakuri neben Dio ein Top-of-the-Top Charakter ist. Auch Okabe, Reiner und Gajeel habe ich geliebt. Gerade Okabe aus Steins;gate. Aber besonders ein Katakuri oder auch ein Dio sind für mich zwei sehr besondere Charaktere. Ich finde es auch immer spannend, Charaktere zu spielen, die eine Backstory haben. Villains sind ja nicht einfach so Villains geworden. Ein Dio z.B. hat eine Kindheit und Jugend gehabt, in der er gänzlich ungeliebt war von und von seinem Vater wie Dreck behandelt wurde. All das spielt in die Interpretation einer Figur und wie man sie spielt/spricht mit rein. Und gerade in den Kämpfen mit Jojo und später auch Jotaro spürt man, wieviel Schmerz in ihm steckt und dass er nicht einfach nur „evil“ ist. Man sollte als Schauspieler nicht über seine Rolle urteilen oder sie gar verurteilen. Dein Job besteht darin, sie zu verstehen und sie zu verteidigen. Promote your characters point of view. Aus seiner Sicht tut Dio das richtige, nicht das falsche.
OPNG:
Da hast du ja aber schon vieles erlebt hinsichtlich deiner Rollen. Aber hättest du innerhalb von One Piece noch eine Rolle die du sprechen wollen würdest ?
MG:
Ich kenne mich da leider nicht mit vielen Rollen aus. Ruffy und die Schwestern von Katakuri, die hatte ich damals kennen gelernt. Ich könnte mir aber keinen anderen Charakter vorstellen. Einmal Katakuri, immer Katakuri eben. Auch für die Fans, die würden es merken wenn ich auf einmal eine andere Rolle sprechen würde. Das geht höchstens innerhalb von Produktionen, bei denen man einen Side Character spricht. Aber bei so einem Charakter wie Katakuri, wäre das ein No-Go. Das passiert dann eher bei kleinen Rollen, das man eine weitere , größere Rolle, übernimmt. Katakuri ist dafür zu groß.
OPNG:
Würdest du denn auch die Rolle in der Live Action Serie übernehmen, wenn es dazu kommen würde?
MG:
Auf alle Fälle! Ich wäre auch bescheuert, wenn ich das nicht machen würde. Ich würde auch Katakuri als Schauspieler übernehmen. Auch wenn ich dafür wohl einen Ticken zu klein bin haha… obwohl man auch schwer Katakuris Größe erreichen kann. Special Effects regeln schon.
OPNG:
Neben One Piece, hast du eine Rolle welche du gerne übernehmen würdest?
MG:
Bei Breaking Bad und Better Call Saul bzw. einem Spin-Off dieser Serien wäre ich sofort dabei. Als Sprecher und als Schauspieler. Ich liebe diesen Kosmos, bin großer Fan. Aber auch Marvel oder DC. Neben Batman den ich ja im Game sprechen darf. Oder auch bei anderen Games, das Genre feier ich auch extrem.
OPNG:
Wie läuft denn so ein Tag als Synchronsprecher ab ? Wie kann man sich das vorstellen und hast du selbst auch einen Einfluss auf den Text ?
MG:
Die Texte sind schon vorgegeben. Die Dialogbuchautoren müssen da auch sehr drauf achten, das Text und Lippenbewegung übereinstimmen. Insbesondere bei bestimmten Buchtstaben, das eben diese auch zum Original passen und die Mundbewegung dann übereinstimmt. Die Labiale, wie bei einem M, müssen getroffen werden. Deshalb werden die Rohübersetzungen darauf angepasst. Die Redakteure schauen dann, ob das alles auch so im Deutschen passt. Ich bekomme dann ein fertiges Produkt, zum Einsprechen vorgelegt. Aber auch an diesem wird teilweise noch was geändert, wenn etwas besser passt. Manchmal werfe ich auch Ideen rein, was besser sein könnte und dann besprechen wir das. Wir haben meistens 4 Leute im Team. Sprecher, Cutter, Regisseur und Tonmeister. Der Regisseur hat sozusagen die Gesamtvision, wie alles sich am Ende anhören soll.Der Tonmeister kümmert sich um den Ton und um die Aufnahmen. Und der Cutter kümmert sich um den Schnitt. Er oder sie sagt einem, ob man zu schnell oder zu langsam, ob der Rhythmus anders ist etc. Ich sitze vor meinem Mikro und habe einen großen Bildschirm vor mir. Neben meinem Dialogbuch, welches es auch digital gibt, habe ich manchmal auch die Texte im Bildschirm vor mir. Aufgeteilt ist es in Takes. Über Takes werden wir Synchronsprecher auch bezahlt. In einer stunde nehmen wir ca 35-40 Takes auf. Manchmal mehr oder weniger. Vor uns läuft dann diese Sequenz, die wir Take nennen ab. Und dann zählt ein Timer runter, an dessen Ende bzw. nach dessen Ablaufen wir dann einsetzen müssen. Das Bild ist dann stumm, damit unsere Stimme aufgenommen werden kann. Und somit hangeln wir uns dann von Take zu Take.
OPNG:
Du warst ja auch zuletzt auf der Dokomi. Dort haben du und René Fox ja eine tolle Spende an den German Pink Force e.V. getätig, eine Aktion, welche wir sehr klasse von euch fanden. Aber gefallen dir solche Conventions allgemein und gehst du dort gerne hin?
MG:
Ich liebe es. Ich gehe sehr gerne dort hin und treffe mich mit Fans. Es ist immer wieder ein tolles Erlebnis, die Menschen die meine Arbeit lieben, zu treffen. Unsere gemeinsame Spende mit Rene von Fox and the Crew - Inside Synchron & Photopoints war Ehrensache. Ich freue mich auch schon sehr auf die weiteren Conventions auf denen wir uns alle sehen werden.
OPNG:
Vielen lieben Dank für das tolle Interview und wir wünschen dir noch alles Gute und freuen uns, dich bald auf einer Convention mal treffen zu können.